Kirchen Oberwesel: Liebfrauenkirche und St. Martin

Liebfrauenkirche ©Horsch, Willy/wikipedia

Das Christentum kam schon sehr früh mit römischen Soldaten und Händlern an den Mittelrhein. Um 500 nahmen unsere Vorfahren, die Franken, das Christentum an. Sie errichteten in Oberwesel zwei romanische Kirchen. Eine stand oberhalb der fränkischen Siedlung Wesila am Berghang. Sie war dem fränkischen Stammesheiligen, dem hl. Martin, gewidmet. Die andere stand unten im Tal an der alten Heerstraße auf einem ehemaligen römischen Gräberfeld und war der Gottesmutter Maria geweiht. Die Priester dieser beiden Kirchen waren nicht nur zuständig für die Seelsorge der Menschen in der fränkischen Siedlung, sondern auch für die Menschen in 13 Rodungsdörfern, die im Hinterland von Oberwesel lagen.

Trierer Erzbischöfe wandelten beide Pfarrkirchen in Kollegialstifte um, weil ein Kollegium von Priestern die Seelsorge in dem weiten Pfarrbezirk besser ausüben konnte als die Pfarrer der beiden berweseler Kirchen. Beide Stifte erfüllten ihren Auftrag hervorragend. Bald reichte der Chorraum in den romanischen Kirchen für eine größere Zahl von Geistlichen nicht mehr aus. Am Liebfrauenstift begann man 1308 mit dem Bau einer großen gotischen Kirche, der heutigen Liebfrauenkirche.

St. Martin ©Romke Hoekstra/wikipedia.de

Mit dem Neubau der Martinskirche begann man um 1350. Beide Stifte überstanden alle Wirren der Zeit, bis Napoleon sie 1802 aufhob. Er machte aus den bis dahin getrennten Pfarreien Liebfrauen und St. Martin eine Pfarrei mit zwei Pfarrkirchen.

Beide Kirchen sind reich an Kunstwerken. Der größte Schatz der Liebfrauenkirche ist der Goldaltar, geweiht 1331. Seine 56 Einzelfiguren erzählen die Heilsgeschichte Gottes an den Menschen. Die gesamte Ausstattung der Kirche ist von hoher Qualität. Besondere Aufmerksamkeit verdienen im südlichen Seitenchor der Marthaaltar, im nördlichen der Nikolausaltar und der Altar von den 15 Zeichen, die auf das Ende der Welt hinweisen.

Die Martinskirche beeindruckt von außen vor allem durch die Wehrachitektur ihres mächtigen Turmes. Er war in die Stadtbefestigung eingebunden. Im Innern erzählen zahlreiche Fresken aus dem 16. Jh. von heiligen Männern und Frauen. Eine hochgotische Madonna aus der Mitte des 15. Jh. verdient besondere Beachtung.